EINE FLOTTE IM WANDEL Die Classics Regatta nimmt inmitten dieses neuen Formats der Sailing Week einen besonderen Platz ein. Der Wettbewerb ist wichtig, aber er steht nicht im Mittelpunkt. Der Fokus liegt auf den Booten: von der Galatea aus dem Jahr 1899, Judd Tinius’ 70-Fuß-Kutter und älteste Yacht in der diesjährigen Flotte, bis hin zur vergleichsweise modernen Spirit-of-Tradition-Yacht Scotch Mist aus dem Jahr 2013, die zurückkehrt, um ihren Sieg beim Owner Maintained Concours d’Elegance 2025 zu verteidigen. Jedes Boot spiegelt einen anderen Moment in Design, Bootsbau und Yachtsportgeschichte wider. Zusammengenommen umfasst die Flotte mehr als ein Jahrhundert Segelgeschichte. Dieser Unterschied ist von Bedeutung. Moderne Rennyachten sind auf maximale Geschwindigkeit ausgelegt – leichter, schneller, bis ins kleinste Detail optimiert. Klassische Yachten verlangen ihren Besatzungen mehr ab. Sie erfordern Geduld, Vorausschau und ein Gespür für Gewicht und Balance, das sich nicht überstürzen lässt. Sie belohnen Gefühl statt Kraft. Sie zu segeln, ist nicht nur eine technische Angelegenheit, sondern eine interpretative. URSPRÜNGE UND BESTÄNDIGER GEIST Die Ursprünge der Regatta spiegeln dieses Ethos wider. Im Jahr 1988 erkannten die Crews einer Gruppe traditioneller Yachten, die während der Sailing Week informell an Regatten teilnahm, die Notwendigkeit einer eigenen Veranstaltung – einer, bei der Tradition, Design und gemeinsames Erleben im Mittelpunkt standen und nicht die reine Geschwindigkeit. Sie sahen, dass die Sailing Week Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden war; da sie sich von einem kleinen Regatta-Treffen einiger Freunde auf dem Weg nach Guadeloupe zu etwas viel Größerem entwickelt hatte, wurden auch die teilnehmenden Boote immer ausgefeilter, schneller und entfernten sich immer weiter von den Wurzeln dieser Veranstaltung. Die Classics Regatta hat sich seitdem zu einem der weltweit angesehensten Treffen klassischer Yachten entwickelt, das Teilnehmer aus der gesamten Karibik, Europa und Nordamerika anzieht. Dabei ist es gelungen, gleichzeitig eine offene, ungezwungene Atmosphäre zu bewahren, die sich weitgehend unverändert anfühlt. Inmitten des UNESCO-geschützten Nelson’s Dockyard gelegen, profitiert die Regatta von einer Kulisse von seltener Schönheit. Restaurierte Gebäude im georgianischen Stil rahmen den Hafen ein; Masten und Takelage prägen die Skyline. Die Geometrie des Ortes – Stein, Holz, Segeltuch, Seil – scheint im Einklang mit den Booten selbst zu stehen. Sowohl die Werft als auch die Boote haben Geschichten zu erzählen. Eine Rolle nasser Leine liegt auf einem Steg neben einem Paar Deckschuhen. Eine Winschkurbel strahlt noch immer die Wärme ihres kürzlichen Gebrauchs aus. Nichts ist inszeniert. Die Yachten wirken hier nicht wie ausgestellt, sondern wie zu Hause. « 17
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