G O O S E - Y A C H T S ∙ I S L A N D S ∙ H O R I Z O N S ∙ N ° 6 0 ∙ S U M M E R 2 0 2 6

WASSERBAU Der Rideau-Kanal ist das am besten erhaltene Beispiel für einen Staukanal in Nordamerika. John Bys Beitrag bestand in seiner Entscheidung, nicht über die gesamte Länge einen traditionellen Graben auszuheben. Stattdessen machen künstliche Bauwerke – Dämme und Schleusen – weniger als zehn Prozent des Gesamtsystems aus: 19 km (von 202). Durch die Aufstauung der Flüsse hob der Ingenieur deren Wasserstände an, um Stromschnellen zu überfluten und bestehende Seen miteinander zu verbinden. So wurde die Route sogar für große Schiffe befahrbar. Gleichzeitig sah er sich mit undurchdringlichem Granit und tückischen Feuchtgebieten konfrontiert und nutzte außergewöhnlichen technischen Einfallsreichtum, um das Werk in nur sechs Jahren, zwischen 1826 und 1832, fertigzustellen. Obwohl der Kanal nie tatsächlich zur militärischen Verteidigung genutzt wurde, öffnete er Zentralkanada für Handel und Besiedlung, begründete Bytown – die Stadt, die wir heute als Ottawa kennen. Dieses Wunderwerk der Technik hatte einen erschütternden menschlichen Preis. Das Projekt stützte sich auf eine Belegschaft von etwa 5.000 Arbeitern. Während die Facharbeiter oft schottischer oder englischer Abstammung waren, wurde die schwere körperliche Arbeit größtenteils von irischen Einwanderern und Frankokanadiern verrichtet, die von der Aussicht auf feste Arbeit angelockt worden waren. Die Bedingungen waren brutal. Die Arbeiter lebten in primitiven Barackensiedlungen oder Sümpfen, geplagt von Insekten, Ruhr und Malaria. Sie arbeiteten von morgens bis abends unter den extremen kanadischen Wetterbedingungen, und Hunderte erlagen Krankheiten und Arbeitsunfällen: Einige Schätzungen beziffern die Opferzahl auf bis zu 1.000 Menschen. Heute zeugen Denkmäler und Friedhöfe von Ottawa bis Kingston von diesen Arbeitern, deren »schwerer, kräftezehrender Einsatz für die Entstehung der Nation unverzichtbar« war. Selbst der Mann an der Spitze, Colonel By, kam bei diesem Projekt nicht ungeschoren davon. Obwohl er eine der größten technischen Meisterleistungen der Welt vollbrachte, wurde er von seinen Vorgesetzten wegen Budgetüberschreitungen offiziell gerügt. Als er 1836 starb, lag sein Ruf in Trümmern: ein wahrlich unverdientes Ende für den Visionär, der Kanadas Wasserstraßen sicherte und die Entstehung von Ottawa ermöglichte. Die traditionelle Mechanik ist immer noch im Einsatz // Traditional mechanisms are still in use « IM FRÜHLING UND SOMMER WIMMELT ES AUF DEM WASSER VON BUNTEN BOOTEN. » RIDEAU-KANAL BAUZEIT: 1826 bis 1832 WASSERTIEFE: 1,5 m BETRIEBSLÄNGE UND -BREITE DER SCHLEUSEN: 27,3 m × 8,5 m LÄNGE DES KANALS: 202 km HÖCHSTER HÖHENUNTERSCHIED (EINER SCHLEUSE): 7,9 m bei Smiths Falls Combined HAUPTSAISON: Juli bis Mitte August GESCHWINDIGKEITSBEGRENZUNGS- ZONEN: 10 km/h ANZAHL DER SCHLEUSEN: 47 ANZAHL DER SCHLEUSENSTATIONEN: 24 UNGEFÄHRE FAHRZEIT: 3–5 Tage (eine Strecke) BRÜCKENHÖHE: 6,7 m 99 weiterlesen

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