S tilvoll gemütlich cruisen, wenn man es genießt, komfortabel auf dem Wasser zu sein, und nicht unbedingt ambitioniert segeln möchte. Ein solides und kultiviertes »Tiny Home«, ein Ferienhaus auf dem Meer. Ein Hingucker in jedem Hafen, vor allem auch in Skandinavien, denn dieses kleine Schiff ist nordischer Herkunft. Ganz Genaues wissen wir nicht, wie bei einem historischen Schiff nicht unüblich gibt es keine schriftliche Geschichte, dafür mündlich überlieferte Hinweise. Diese kamen, vor sehr vielen Jahren, besonders von zwei finnischen Rentnern, die mit Rannö auf große Fahrt wollten. Leider sind sie nur bis nach Travemünde gekommen, dort blieben sie mit einem kaputten Motor auf der Böbs-Werft hängen. Ein neuer Motor war offenbar außerhalb des Budgets der beiden, also verkauften sie das Schiff kurzerhand an die Werft und kehrten ohne es nach Finnland zurück. Von ihnen stammt der Hinweis, dass dieses Schiff einst als Lotsenkutter für die Gewässer um die Ålandinseln gebaut worden war. Der bis heute von den Finnen übernommene Name des Schiffs bezeichnet eine kleine Insel im Alandarchipel, auf der es wohl um 1905 auf einer kleinen Werft gebaut worden war. Größe und Rumpfform lassen darauf schließen, die Aufbauten und die Takelage jedoch nicht – aber diese wurden ja auch erst später hinzugefügt. Lotsenkutter waren Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Inseln in größerer Zahl im Einsatz, wer die labyrinthischen Fahrwasser durch die Schären dort kennt, wird sich vorstellen können, warum sie so wichtig waren. Anfang des 20. Jahrhunderts hatten die Ålandinseln eine der größten Segelschiffsflotten Europas, die Inseln lagen strategisch an einem Knotenpunkt verschiedener Seehandelsrouten in diesem Teil der Ostsee. Noch heute zeugt die Viermastbark Pommern davon. 1902 gebaut und später vom finnischen Reeder Gustaf Erikson erworben, hatte sie ihren Heimathafen in Mariehamn, wo sie als Museumsschiff liegt. Die Inselhauptstadt galt in den 1930er-Jahren als letzter Hafen der großen Segelschiffe, deren Zeit bald wirklich abgelaufen war. Gut, dass die Zeit der kleinen Lotsenkutter noch nicht ganz so bald vorbei war. Viele wurden zwar von Segelkuttern zu Motorschiffen umgerüstet, die Rümpfe jedoch blieben erhalten. Ein solcher soll also auch die Rannö sein. Was dafür spricht, ist ihre extrem solide und unverwüstliche Bauweise sowie eine immer noch spürbare Aura einer langen und nicht unbedeutenden Geschichte. Der klassische Riss eines Spitzgatters lässt ihre nordische Herkunft sofort erkennen und trägt dazu bei, dass das Schiff in skandinavischen Häfen immer wieder ein besonders gern gesehener Gast ist. Das erfuhren auch ihr derzeitiger Eigner und seine Familie sofort: »Rannö hat uns in ihrem Erscheinungsbild am Tag, als wir sie zum ersten Mal im Hafen liegen sahen, für sich eingenommen. Sie ist ein Unikat, ein Hingucker in lackiertem Naturholz und poliertem Edelstahl. Für meine Frau und mich in unserem stressigen Berufsleben war sie immer der Ort, um runterzukommen. Auf unseren Reisen in Skandinavien konnte es zuweilen ›nerven‹, immer wieder auf das Schiff bewundernd angesprochen zu werden, aber nachvollziehbar, wenn wir sie aus der Distanz im Hafen betrachten.« Im Jahr 2001 übernahm der heutige Eigner die Rannö. Da war sie schon als 50:50-Motorsegler umgebaut und geriggt, mit einer stabilen Ketschtakelung und einem geschlossenen Steuerhaus. »Wir haben Rannö jedes Jahr professionell pflegen lassen. Sie wurde ausstattungsseitig laufend weiter komplettiert und modernisiert, sie ist state-of-the-art. Das Handling von ihr ist simpel, der Weg das Ziel.« Das Großsegel dient auch als stabilisierendes Stützsegel, damit liegt die Rannö ruhig in der See. Wenn der Wind passt, setzt der Eigner auch die Genua und den Besan dazu. »So erreichen wir eine Marschfahrt von 6,5 Knoten, wenn die Maschine mit nur 1.200 upm mitläuft!« Die Bilder zeigen, was für ein komfortables und stilvolles kleines Schiff die Rannö ist. 11,8 Meter lang, vier Meter breit und mit einem Tiefgang von 1,85 Metern bietet sie unter Deck allen Komfort und vier Kojen. Angetrieben wird sie von einem 2010 installierten Vetus-Deutz-Dieselmotor mit nur 700 Betriebsstunden und ihrem Ketschrigg mit insgesamt 50 Quadratmeter Segelfläche. Gemacht für entspannte Reisen auf der Ostsee oder auch anderswo. Kein Wunder, dass der Eigner, nach vielen Törns, sagt: »Es wird schwerfallen, uns von Rannö zu trennen. Die wenigen zwei bis drei Wochen im Jahr, die wir heute noch Zeit haben, an Bord zu verbringen, lassen uns aber diese Entscheidung treffen!« 92 weiterlesen
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